Kurzgefasste Geschichte des Johanniter-/Malteserordens unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse in Schlesien

Die Gründung des Ordens erfolgte im 11. Jahrhundert in Jerusalem. Kreuzfahrer hatten dort ein Hospital für Kranke errichtet und gründeten den Orden, der vom Papst 1154 anerkannt wurde und nur diesem unterstand. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte entwickelte sich der Orden zu einem Ritterorden. Neben den Templern trug der Johanniterorden die Hauptlast der Verteidigung des Heiligen Landes gegen die Muslime. Mit der Eroberung von Akko 1291 durch die Muslime verlor der Orden seine letzte Stadt im Heiligen Land und zog sich zuerst nach Zypern, anschließend nach Rhodos zurück (1309). Aber auch hier wurden sie nach heftigen Kämpfen schließlich 1522 von Suleiman dem Prächtigen vertrieben. 1530 überlies ihnen Kaiser Karl V. mit Zustimmung des Papstes Malta. Seither wurden die Johanniter Malteser genannt, da sie ihren Ordenssitz auf Malta hatten. 1798 vertrieb Napoleon die Malteser von Malta. Nach Napoleons Niederlage sollten eigentlich die Malteser Malta zurückbekommen, aber die Briten, die inzwischen Malta besetzt hatten, gaben es nicht mehr zurück. Nach mehreren Versuchen sich niederzulassen, befindet sich der Sitz des Ordens seit 1834 bis heute in Rom.

Der Orden wird von einem Großmeister geführt, diesem Unterstehen die acht Führer der acht Zungen des Ordens. Unter Zungen versteht man die verschiedenen Nationen: Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Aragonien, Kastilien, Deutschland und England. Die Führer der Zungen hatten verschieden Aufgaben im Orden, so dass sie auch verschiedene Namen hatten: Großkomtur, Großmarschall, Hospitalier, Admiral, Großkonservator, Turkopolier, Großbailli (Deutschland) und Großkanzler.

Die Zunge Deutschland bestand aus mehreren Großprioraten: Deutschland, Böhmen, Ungarn, Polen, Dacien (Skandinavien) und der Ballei Brandenburg (vergleichbar einem Priorat). Die Niederlassungen in Schlesien gehörten alle zum Großpriorat Böhmen mit Sitz in Prag.

Den Großprioren als Leiter der Großpriorate unterstanden die Komture, die die Kommenden leiteten. Kommenden (oder auch Komtureien) waren die Niederlassungen des Ordens in den einzelnen Ländern, die meist aus mehreren Kirchen/Dörfern bestanden.

Soweit ist dies recht verständlich und gilt auch für alle Länder. Kurzgefasst: der Orden war immer katholisch und hieß bis 1530 Johanniter-Orden, anschließend Malteser-Orden.

Kompliziert wird die Sache allerdings für Deutschland nach der Reformation. Hier wechselte die Ballei Brandenburg mit allen Mitgliedern und Kommenden zum lutherischen Glauben über (ungefähr 1530). Diese verließen eigentlich nie offiziell den Malteser-Orden, machten aber die Namensänderung nicht mit und nannten sich weiterhin Johanniter. Nach der Auflösung des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation durch Napoleon und die Säkularisation (um 1806-1810) endete die Geschichte des Malteserordens bzw. Johanniterordens in Deutschland, zumindest für mehrere Jahrzehnte.

Im Laufe des 19. Jhdt. gründeten sich in Deutschland wieder Vereinigungen von Maltesern, die auch wieder in den eigentlichen Orden aufgenommen wurden, der in anderen Ländern (z.B. Italien) nie aufgehört hatte zu existieren. Diese Malteser sind wie ihr Orden grundsätzlich katholisch.

Das Gleiche gilt für die evangelischen Johanniter, die sich mit erheblicher Protektion des Deutschen Reiches (die Preußen waren evangelisch) ebenfalls wieder gründeten, diesmal aber als eigenständiger Orden, der mit den Maltesern nichts mehr zu tun hat. Dieser Orden ist evangelisch.

Also gilt heute: Malteser = katholisch, Johanniter = evangelisch

Dies spielt allerdings für Schlesien keine Rolle, außer der vermaledeiten Namensverwirrung. Die Kommenden Schlesiens gehörten wie gesagt zum Großpriorat Böhmen, das immer katholisch war und als einziges Großpriorat Deutschlands durchgehend bestand und heute noch besteht. Also gilt wie oben: das Großpriorat Böhmen war immer katholisch, war immer ein Bestandteil des katholischen Johanniter-Ordens, der sich ab 1530 Malteser-Orden nannte und katholisch blieb bis auf den heutigen Tag.

Davon unberührt bleibt, um die Sache doch wieder zu komplizieren, dass während der Reformation in Schlesien einzelne Pfarrstellen und damit Dörfer in den Kommenden zum lutherischen Glauben übergewechselt sind und erst im Rahmen der Gegenreformation wieder katholisch wurden. Dies betrifft unter anderem die Kommenden Klein-Öls/Krs. Ohlau [NSL], Lossen/Krs. Brieg [NSL] und Gröbnig/Krs. Leobschütz [OSL].

Quelle: Der Johanniter-Orden, Der Malteser-Orden, hrsg. von A. Wienand, C. W. von Ballestrem, A. Cossel, 3. Auflage, Köln 1988